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07 Nov 2007
Ich nehme Entzug von dir
denn dein Hoch versinkt bald wieder in ungeahnte Tiefen
Dein Geschmack hinterläßt auf meiner Zunge eine fahle Bitterkeit
Dein Rauch vernebelt meine Sinne
Dein kühles Metal bohrt sich in meine Venen
Dein Pulver löst mich auf
Ich würge dich hoch
und entferne dich aus mir,
deine Substanzen aus meinem Blut,
warte bis ich ausnüchtere
und wieder aufrecht stehen kann
Ich gewöhne dich mir ab
Der Rausch dauert nie lange genug an
am nächsten Morgen wache ich wieder auf
und du bist leer
05 Nov 2007
Die Kleinstadt lebt von der Milchindustrie. Schon in der Früh laufen die mit Milchbehälter beladenen Pickup-Trucks die Landstraßen entlang.

In den engen Gassen (sois) unterhalten sich die Leute, während kleine Mopeds sich ruckelnd und lärmend ihren Weg durchbahnen. Die Häuser sind meist ein- oder zweistöckig, unten betoniert und mit hölzernem Überbau. Auf den Dächern ragen TV-Antennen und Satellitenschüssel.



Auf der “Hauptstraße” parken Autos, meist Pickup-Trucks, und Motorräder. Strom- und Telefonkabel hängen müde herab. Die Gehwege für Fußgänger sind uneben und mit Löchern versehen. Geschäfte und Lokale finden sich auf beiden Straßenseiten. In der Mittagspause holen sich die Leute meist von einen der unzähligen Nudelshops ihr Essen. Die Sonne prallt auf Autos und Asphalt nieder, ich sitze nun im Auto mit geöffnetem Fenster und betrachte die bunten Schilder und Aufschriften.

Es findet ein kleines Straßenfest statt. Viele kleine Verkaufsstände bieten von Nahrungsmitteln bis Gebrauchsmöbeln alles an. Die Menschenmassen drängeln sich am Straßenrand. Ich geselle mich zu ihnen. T-Shirts mit buntem Aufdruck und neonfarbene Tupperware ziehen meinen Blick an. Die Reizüberflutung, sowie die pochende Hitze setzen mir etwas zu. In der allgemeinen Hektik läuft mir ein kleiner Straßenwelpe vor die Kamera und mustert mich neugierig.


02 Nov 2007
Abreise

Am Flughafen Wien Schwechat gibt es nun einen Beate Uhse Shop. Warum? Keine Ahnung. Ich lasse dieses Stück Information mal hier liegen, in der Hoffnung, jemand würde es aufgreifen und mir den Sinn des Lebens erklären, den ich gerade verloren habe.

Flug

Ich saß geschlagene 10 Stunden und 40 Minuten neben einen an Bronchitis leidenden Diabetiker mit Karl Lagerfeld Toupet und fortgeschrittener Solariumbräune. Bei jedem Hustenanfall habe ich geglaubt, er würde seine Lunge gleich auf meine Bordfernbedienung speiben. Unterhaltsam war außerdem, dass er sich sein Insulin WÄHREND der Abflug-/Aufstieg-/wie auch immer-Phase, gespritzt hat. Wäre er ausgerutscht hätte ich die Spritze gern mit meinem Unterarm aufgefangen. Um wenigstens ein paar Stunden Schlaf zu kriegen habe ich mir 2 Viertel Rotwein (in Tetra Pak!) gegönnt. Abgrundtief grindiges Gesöff, hat aber seine Wirkung nicht verfehlt. Nach ein paar Minuten bin ich dösend und sabbernd neben dem hustenden Lagerfeld gesessen und musste mir sein Geröchel nur im entfernten Tiefschlaf anhören.

Ankunft

Bangkok’s neuer Flughafen, Suvarnabhumi (ausgesprochen Su-wa-na-puum, das „i“ wird vernachlässigt), war … da. Meine Erwartungen waren nach den ganzen Erlebnisberichten, die ich vorher gehört und gelesen hatte, sowieso schon hinuntergeschraubt worden, aber das es so … da … war, das hatte ich dann doch wieder nicht erwartet. Ein einzig großer Palast aus Beton und Glas. Etwas unfertig und etwas leblos fühlte sich der Palast an, mehr konnte ich auch nicht fühlen, denn meine Auffassungsgabe war nach dem Flug in einen künstlichen Tiefschlaf versetzt worden.

Jetlag

Der Eintrag findet hier ein jähes Ende und wird je nach Gemütslage fortgesetzt oder auch nicht.

Gute Nacht

Nachtrag

Ich war übrigens im Beate Uhse Shop drinnen – um den angesprochenen Sinn des Lebens zu suchen – gefunden habe ich nur eine Verkäuferin, die mich etwas peinlich berührt nach meinem Alter gefragt hat, weil „immer so viele Kinder reinkommen“. Es hat sicher seine Vorteile asiatisches Blut in den Adern fließen zu haben, man wird sogar noch mit 23 für zarte 16 gehalten. Ich hätte antworten sollen „Ich wollte eigentlich nur kurz rein und raus“, zum Glück wurde mir die Zweideutigkeit dieser Aussage bewußt, bevor der Satz meinem Mund entkam. Vielleicht sind solche Aussagen nur in meinem Kopf pervers und zweideutig … oder vielleicht ist mein ganzes Leben eine aberwitzige Doppeldeutigkeit.
30 Oct 2007
Seit Tagen steht mein Gepäck im Schlafzimmer und wartet auf mich. Eingepackt wurde das, was herumlag, nicht an- oder zusammengeschraubt war und unnötig Platz im Zimmer einnahm. Immerhin hab ich 30kg Freigepäck, warum sollte ich das nicht sinnlos nutzen? Wie ich mich kenne, werde ich die meisten mitgenommenen Kleidungsstücke nicht anziehen, was ich jedoch mit zehn IKEA-Fingerpuppen in Thailand anfangen will, ist zu diesem Zeitpunkt nicht einmal mir selbst klar. Aber im Haus meiner Eltern ist eindeutig mehr Platz als in meiner Eremitenhöhle in Favoriten. Man könnte das, was ich mache, auch globale Umdisposition von überflüssiger Konsummaterie nennen.

Vermissen werde ich so einiges und so einige. Die Spaziergänge in der Stadt, den Kaffee, das trinkbare Leitungswasser, den Luftballonmann am Stephansplatz. Wien hat so viele Qualitäten, die kläglich von den Ureinwohnern übersehen und für selbstverständlich genommen werden. Und doch kann ich es kaum abwarten ins Flugzeug zu steigen, auf die Donaumetropole hinabzuschaun und zum Abschied zu winken. Unsere Beziehung dauerte schon zu lange - Wien, du bist zwar schön, aber du fadisierst mich. Jeden Tag aufzuwachen, den Vorhang zur Seite zu schieben und von der gelb-orangenen Fassade des Nachbargebäudes begrüßt zu werden geht einfach nur bedingt für längere Zeit gut.

Wir brauchen eine Pause voneinander.



Man kann sich lange etwas vormachen. Gründe vorschieben, Zeit nachschieben, Inkompatibilität zur Seite schieben. Wie in jeder Beziehung geht die Schieberei nur so lange gut, bis es nicht mehr genügt oder es zu viel wird. Und ich schwanke noch immer zwischen “zu wenig” und “zu viel”. Komisch eigentlich, dass man zur gleichen Zeit gelangweilt und überfordert sein kann. Das Leben in Wien ist angenehm. Mein Leben, wie es jetzt ist, ist angenehm. Spätestens, wenn man diesen Satz 10 Mal am Tag im Inneren vor sich selbst hersagen muss, um seine eigene Existenz rechtzufertigen, weiß man, dass das eigene Leben nicht so angenehm sein kann.

Und wie so oft, stehe ich da und lächle. Deswegen werde ich den Luftballonmann vermissen. Ich glaube, er mag seine Mitmenschen, aber ich glaube auch, dass er müde ist. Jeden Tag aufstehen um sich zu schminken, sich das Kostüm zurecht zu legen, sich Luftballons auf den Kopf zu setzen um dann stundenlang auf dem Stephansplatz zu stehen um Fremde anzulächeln, das macht müde. Kaum vorstellbar, dass es Leute gibt, die das nicht als Erwerbstätigkeit ausüben, sondern so leben. So gesehen, hat der Luftballonmann doch mehr Glück als viele andere Menschen, denn er geht nach Haus und kann sich abschminken.



Es überfordert mich. Und wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich meinen, dass es nur mir so geht. Dieses Aufstehen und sich kostümieren, schminken und lächeln. Der Unterschied liegt in der Motivation, die immer mehr schwindet.