Klaustrophobische Enge erfüllte seinen Brustkorb. Sein ganzer Körper schien sich mit einer schwarzen Flüssigkeit zu füllen, die aus allen Poren quoll. Die Trägheit wollte ihn zerreißen. Es gab nichts in diesem Raum, an dem sich seine Gedanken festhalten konnten. Das Fenster zur Außenwelt war verdreckt, sodass die dicken Schmutzschichten kaum Lichtstrahlen durchließen.
Die Wände seiner Kammer schoben sich näher zum Zentrum seines Selbst vor. Er wollte hinaus und doch wurzelten die Fesseln tief in seiner eigenen Vernunft.
"Angst? Ich habe keine Angst ... es ist nur die Gewissheit ausgeliefert zu sein", sagte er zu sich selbst, als führe er den Monolog zum ersten Mal ... als wäre die Antwort eine neue Errungenschaft und keine Lüge ... als würde er nicht wahrhaben wollen, dass der Berg dieser Erkenntnis im tiefsten Meer seiner Selbstverleugnung lag und nie empor steigen würde.
Er vermisste nichts, denn er konnte sich kaum an etwas erinnern. Die Farben, die Gerüche, der Druck auf seinen Fingerspitzen bei jeder Berührung - es war, als hätte er seine Hülle nach innen gekehrt um sie für die Außenwelt unsichtbar zu machen.
Im Sepia seiner Träume schien jede Sinneswahrnehmung ohnehin belanglos, denn er hatte keine Kontrolle über sie. Das Vorbeiziehen seiner Gedanken war die einzige Abwechslung, die er zu beherrschen schien und nicht einmal diese hielten ihr Versprechen ihm gegenüber nicht wiederzukehren.
"Angst? Die kenne ich nicht. Warum sollte sie mich peinigen, mich verfolgen? Ich schulde ihr nichts."
Er versuchte sich an sein Spiegelbild zu erinnern. Die Anstrengung ließ die Adern seiner Schläfen pochen. Und doch bedarf es keiner Anstrengung sich an die Konturen ihres Gesichts zu erinnern. Die Fratze, die sie schneidet, wenn er ihr direkt in die Augen blickt. "Angst" Er kannte sie. Auch wenn er sie verleugnet.
Der Raum war leer. Er tastete die Wand ab, an die er seinen Rücken gelehnt hatte und richtete sich langsam auf. Rau und feucht war die Oberfläche. Er strich über die Unebenheiten der Wand und war erleichtert, sie zu spüren. Es gab ihm die Sicherheit - die Gewissheit, nicht eins mit dem zu werden, von dem er täglich umgeben war.
Er schlüpfte in seine makellos gewachsten Lederschuhe, die neben der verschlossenen Tür standen und holte die Schlüsseln aus seiner Jackentasche hervor. Die Türklinge war glatt und kalt. Er hielt sie einen Moment länger als nötig hinunter gepresst, bevor er die Tür nach außen drückte um hinaus zu treten.
"Angst", ein Raum, den er nur selten betrat. Er konnte die Leere in ihr nicht ertragen. Die modrige Luft verhüllte seinen Körper. Er lässt den Raum zurück ... er würde wiederkommen.