Die 4 Ks

Nat's Alles und Nichts umfassende Schubladisierungtheorie:

K 1:

Komplexe Menschen
haben Probleme mit der Welt

K 2:

Komplizierte Menschen
haben Probleme mit sich selbst

K 3:

Komische Menschen
haben Probleme mit der Welt und sich selbst

K.O.:

Kaputte Menschen
sind ein Problem


Ich schwanke zeitweise zwischen K1 und K2 und bin in letzter Zeit an vielen K.Os vorbei geschrammt.

Filed under  //   Writing for Sanity  

Angst

Klaustrophobische Enge erfüllte seinen Brustkorb. Sein ganzer Körper schien sich mit einer schwarzen Flüssigkeit zu füllen, die aus allen Poren quoll. Die Trägheit wollte ihn zerreißen. Es gab nichts in diesem Raum, an dem sich seine Gedanken festhalten konnten. Das Fenster zur Außenwelt war verdreckt, sodass die dicken Schmutzschichten kaum Lichtstrahlen durchließen.  


Die Wände seiner Kammer schoben sich näher zum Zentrum seines Selbst vor. Er wollte hinaus und doch wurzelten die Fesseln tief in seiner eigenen Vernunft.

"Angst? Ich habe keine Angst ... es ist nur die Gewissheit ausgeliefert zu sein", sagte er zu sich selbst, als führe er den Monolog zum ersten Mal ... als wäre die Antwort eine neue Errungenschaft und keine Lüge ... als würde er nicht wahrhaben wollen, dass der Berg dieser Erkenntnis im tiefsten Meer seiner Selbstverleugnung lag und nie empor steigen würde.  


Er vermisste nichts, denn er konnte sich kaum an etwas erinnern. Die Farben, die Gerüche, der Druck auf seinen Fingerspitzen bei jeder Berührung - es war, als hätte er seine Hülle nach innen gekehrt um sie für die Außenwelt unsichtbar zu machen.

Im Sepia seiner Träume schien jede Sinneswahrnehmung ohnehin belanglos, denn er hatte keine Kontrolle über sie. Das Vorbeiziehen seiner Gedanken war die einzige Abwechslung, die er zu beherrschen schien und nicht einmal diese hielten ihr Versprechen ihm gegenüber nicht wiederzukehren.

"Angst? Die kenne ich nicht. Warum sollte sie mich peinigen, mich verfolgen? Ich schulde ihr nichts."

Er versuchte sich an sein Spiegelbild zu erinnern. Die Anstrengung ließ die Adern seiner Schläfen pochen. Und doch bedarf es keiner Anstrengung sich an die Konturen ihres Gesichts zu erinnern. Die Fratze, die sie schneidet, wenn er ihr direkt in die Augen blickt. "Angst" Er kannte sie. Auch wenn er sie verleugnet.

Der Raum war leer. Er tastete die Wand ab, an die er seinen Rücken gelehnt hatte und richtete sich langsam auf. Rau und feucht war die Oberfläche. Er strich über die Unebenheiten der Wand und war erleichtert, sie zu spüren. Es gab ihm die Sicherheit - die Gewissheit, nicht eins mit dem zu werden, von dem er täglich umgeben war.   


Er schlüpfte in seine makellos gewachsten Lederschuhe, die neben der verschlossenen Tür standen und holte die Schlüsseln aus seiner Jackentasche hervor. Die Türklinge war glatt und kalt. Er hielt sie einen Moment länger als nötig hinunter gepresst, bevor er die Tür nach außen drückte um hinaus zu treten.

"Angst", ein Raum, den er nur selten betrat. Er konnte die Leere in ihr nicht ertragen. Die modrige Luft verhüllte seinen Körper. Er lässt den Raum zurück ... er würde wiederkommen.

Filed under  //   Writing for Sanity  

Ent-täuschung

Bei näherer Betrachtung sieht dieses Wort aus wie sie: die glänzenden Augen und die geschwungenen Lippen. Sie hüten etwas, das seine Erwartungen entflammen ließ und als unweigerliches Ende alle Hoffnungen in Asche vergraben würde. Elendig.

Er war sich nicht sicher. Aber das war er doch nie.

Langsam fuhr er mit dem Boden der Kaffeetasse über die hölzerne Oberfläche des Tisches und lauschte dem Geräusch.

Warum sind "Ent-täuschungen" so negativ behaftet? Was ist denn so schlimm am enttäuscht werden? Will denn die ganze Menschheit mit einer Täuschung leben?

Er war sich sicher: er will das nicht. Er sehnte den Tag herbei. Der Tag an dem sie ihn enttäuschen und freigeben würde. Es zerrte an seinen Ressourcen. Warum war sie bloß so verängstigt?

Und doch suchte er die Fehler bei sich selbst. War es etwa er, der sich täuschte? Aber war es denn nicht ihre Aufgabe - nein, ihre verdammte Pflicht - sich endlich so zu zeigen, wie sie wirklich ist und sei es nur, um ihn zu verjagen? Er kann das unmöglich allein.

Scham: nass und glitschig. Das Gefühl fuhr über seine Schultern und drückte ihn tiefer in den Sessel. Er hatte sich getäuscht.

Er war sich nicht sicher. Aber sie doch auch nicht. Sie schuldete ihm nichts. Es gab keine Verpflichtungen.

Er trank aus und ging.

Filed under  //   Writing for Sanity  

opti-Mist

Manchmal fällt das Einschlafen schwer, manchmal ist man einfach zu erschöpft um zu schlafen. Das sind die Nächte, in denen ich meinen Fernseher einschalte und mich von den Klängen der halbnackten DSF Quiz Moderatorinnen tiefsinnigen fremdspachigen Dokumentarfilmen auf ARTE berieseln lasse.

Meine neue Leidenschaft zu mitternächtlicher Stunde ist das Lesen von Horoskopen.

Früher dachte ich, dass ich nur "anders" sei als die anderen Kinder, heute weiß ich, dass ich Schütze mit Aszendent Jungfrau und Mond im Krebs bin. Die, die sich ernsthaft mit Astrologie beschäftigen, wissen, dass man bei der Erstellung von Persönlichkeitsprofilen nicht nur vom Sonnenzeichen - in meinem Fall Schütze - ausgehen darf.

Ich zitiere hier aus meiner neu gefundenen Erkenntnisquelle:

"Idealismus (Schütze) und Stimmungsabhängigkeit (Mond in Krebs) geben dieser Kombination etwas Zwiespältiges. Unternehmenslust (Schütze) und Weichheit der Gefühle (Krebsmond) finden sich nicht immer zu gleichgerichteten Kräften. Der Schütze möchte seinen Horizont in aller Welt erweitern, der Mond in Krebs wünscht sich emotionale Sicherheit. Das Feuer des Schützen kann hier Gefühlsausbrüche verursachen."

Übersetzung für den Laien: ich hab einen Klescher.

Zwiespältig. Was für ein Wort. Aber damit kann ich mich abfinden. Klingt doch viel interessanter als abenteuerlustig, optimistisch und tierlieb.

Filed under  //   Writing for Sanity  

Der Stuhlgang und andere Therapieformen

Manchmal kommt es vor, dass sich Leute gegenseitig - auf gut Österreichisch - "Zamscheißen". In diesem Eintrag halte ich die Assoziationen fest, die dieses Wort in mir weckt und versuche damit die unendlichen Tiefen der menschlichen Psyche (und des menschlichen Verdauungstrakts) zu ergründen.

Die Defäkation ist ein biologischer Akt, der die Ausscheidung von verwerteter und nicht mehr benötigter Stoffe aus dem menschlichen Körper bezeichnet. So weit, so gut. Halten wir also fest, dass der Akt des "Scheißens" eine unabdingbare und wertvolle Funktion darstellt, die die Balance in unserem biologischen System sichert. Es geht hier also um Ausgeglichenheit.
Defäkieren wir in einem geringen Zeitraum unverhältnismäßig viel und oft, so sprechen wir von Durchfall. Die Stoffe fallen, fließen und fliegen durch unseren Verdauungstrakt. Dies tun sie in einer ungezügelten Manier, die wir uns nicht im Stande sehen, zu kontrollieren. Mehr als oft passiert es, dass wir etwas zu uns genommen haben, das wir nicht vertragen. Unser Körper reagiert darauf und versucht so schnell wie möglich diese Stoffe auszuscheiden. Mehr als oft passiert es auch, dass wir in einer Diskussion an einem Punkt angelangt sind, an dem wir die Situation nicht mehr aushalten und unaufhaltsam und ohne Rücksicht auf jegliche Verluste (und Klopapier) verbal drauflos defäkieren. Ist das gesund? Nein, das ist nicht der gesunde, balancierte Stuhlgang, den wir kennen und schätzen. Hatte es seinen Sinn und Zweck? Ja, auf jeden Fall. Wie sonst könnte man die Stoffe und Emotionen loswerden, wenn man sie nicht ausscheidet? Wie sonst erkennt man, dass man gewisse Nahrungsmittel, Tatbestände und Situationen nur bedingt verträgt? Zamscheißen und zamg'schissen werden - zwei unumgängliche Resultate der Emotionsunverträglichkeit, die wir uns als Menschen oft ausgeliefert sehen.

Aus aktuellem Anlass möchte ich auf eine andere Form des unausgeglichenen Stuhlgangs eingehen: die Verstopfung.

Eine Verstopfung tritt auf, wenn unser Körper die verwerteten Stoffe nicht ausscheidet und als Endergebnis das Aufstauen von Kot im Verdauungstrakt resultiert. Öfters als oft kommt es vor, dass wir an gewissen Erlebnissen festhalten und sie nicht loslassen wollen, obwohl sie keinen Zweck mehr erfüllen und ausgeschieden werden sollten. Wir krümmen uns vor Schmerz und wollen es verarbeiten. Aber was man auch immer macht, es löst sich nicht auf. Man wartet, man nimmt etwas ein, man wartet erneut, man versucht mit aller Gewalt es hinauszupressen, man ist hilflos der eigenen Unfähigkeit ausgeliefert. Und die Moral der Geschichte? Manche Sachen kann man nicht mit Druck auflösen, es bedarf Zeit und es bedarf Geduld. Es ist mit Schmerzen verbunden und wenn es wirklich "hart auf hart" kommt, dann braucht man professionelle Hilfe. Irgendwann muss es raus.

Filed under  //   Writing for Sanity  

Frühjahrsputz

Beim Versuch etwas Ordnung in mein Chaos zu bringen, bin ich den diesjährigen Frühjahrsputz etwas anders angegangen:

Ich sah, ich nahm und ich schmiss weg.

Warum sammelt sich im Verlauf einer Existenz so viel materieller Mist an? Aber die bedeutendste Frage, die sich mir bei der Aufräumarbeit stellte, war: Warum liegt in meinem Kleiderschrank eine lila Leggings? Woher kam sie? Was macht sie hier und gehört sie wirklich mir oder doch einer Ex-Bekanntschaft, die sie hier liegen gelassen hatte? Nach minutenlanger Schockstarre und wiederholten Versuchen, mich selbst davon zu überzeugen, dass dieses Kleidungsstück nicht mir gehören konnte und durfte, nahm ich meinen Schreibtisch in Angriff und wollte auch hier für etwas System sorgen. Alte Fotos, alte Briefe, alte Mitschriften, Pokemon-Sammelkarten, alte Zeichnungen ... Pokemon was ... ?

Ab diesen Zeitpunkt verließ ich kopfschüttelnd das Zimmer und begab mich in die Küche. Die Spuren der Vergangenheit sind unbehagliche Souvenirs, mit denen wir uns zeitweise beschäftigen müssen um mehr Ordnung in unsere Gegenwart zu bringen.

Aber lila Leggings?

Filed under  //   Writing for Sanity