minimalismus, oida
18 May 2008
Es soll vorkommen, dass Webmaster ihre Seiten mit sogenannten "Trackern" ausstatten um die Surfgewohnheiten ihrer Besucher nachzuvollziehen.

Ja, ich bin einer dieser Voyeure und ja, euer Besuch hier und alles, was ihr euch gerade auf dieser Seite anschaut wird minutiös und akribisch von meinem Tracker aufgezeichnet :-)

Der eigentliche Grund für diese Überwachung liegt aber in meinem neuen Hobby: Ich lache heimlich darüber, welche Begriffe die Besucher dieser Seite in Google eingegeben haben, um auf meiner Seite zu (ver)enden.

Hier ist eine Liste von ausgesuchten Suchbegriffen, die Google augenscheinlich mit dieser Webseite assoziiert:

"Kopf gegen Schild animiert"
(Ich würde auch gerne wissen, wo man so etwas im Internet findet. Aber eins ist sicher ... nicht auf dieser Seite)


"Werbegeschenke an mich"
(Und ich dachte immer, i c h wäre ein egozentrischer Mensch)

"Verstopfung und Kot"
(Gschmackig)

"Hund innerlich verwesen"
(Es wird immer appetitlicher)

"Wann sprechen wir von durchfall"
(Eine Frage, die nicht nur mich zu beschäftigen scheint)

"Halbnackte Moderatorinnen"
(Kein Kommentar ... nötig)

"Zeichnungen Pokemon"
(Die 12-jährigen Pokemon Fans werden hier wohl bitter enttäuscht werden und bei der Fülle an Einträgen über Durchfall, verwesende Hunde und halbnackte Moderatorinnen flattern mir sicher bald Klagen von den Eltern ins Haus)


Fazit:

Ich sollte in Erwägung ziehen, einen Eintrag über Werbegeschenke zu machen, die als medikamentöse Lösung für Verstopfung und andere Verdauungsprobleme eingesetzt werden können. Ein Informationsbedarf zu diesen Themen scheint ja durchaus vorhanden zu sein.

Als Alternative könnte ich aber auch eine Pokemon Fanseite starten.


14 May 2008
Bei näherer Betrachtung sieht dieses Wort aus wie sie. Die glänzenden Augen, die geschwungenen Lippen, sie hüten etwas, das seine Erwartungen entflammen ließ und als unweigerliches Ende alle Hoffnungen in Asche vergraben wird. Elendig.

Er war sich nicht sicher. Aber das war er doch nie.

Langsam fuhr er mit dem Boden der Kaffeetasse über die hölzerne Oberfläche des Tisches und lauschte dem Geräusch.

Warum wohl die meisten Menschen eine "Ent-täuschung" als negativ empfinden? Was ist denn so schlimm am enttäuscht werden? Will denn die ganze Menschheit mit einer Täuschung leben?

Er war sich sicher, er will das nicht. Er sehnte dem Tag regelrecht herbei. Der Tag an dem sie ihn endlich enttäuschen würde, ihn erlöst und ihn freigibt. Es zerrte an seinen Ressourcen. Warum war sie bloß so verängstigt?

Und doch suchte er die Fehler wieder bei sich selbst. War es etwa er, der sich täuschte? Aber war es denn nicht ihre Aufgabe, nein, ihre verdammte Pflicht, sich endlich so zu zeigen, wie sie wirklich ist und sei es nur, um ihn zu verjagen? Er kann das unmöglich allein.

Scham. Nass und glitschig. Das Gefühl fuhr über seine Schultern und drückte ihn tiefer in seinen Sessel. Er hatte sich getäuscht.

Er war sich nicht sicher. Aber sie doch auch nicht. Sie schuldete ihm nichts. Es gab keine Verpflichtungen.

Er trank aus und ging.
30 Apr 2008
Manchmal fällt das Einschlafen schwer, manchmal ist man einfach zu erschöpft um zu schlafen. Das sind Nächte, in denen ich meinen Fernseher einschalte und mich von den Klängen der halbnackten DSF Quiz Moderatorinnen tiefsinnigen fremdspachigen Dokumentarfilmen auf ARTE berieseln lasse.

Oder doch nicht?

Meine neue Leidenschaft zu mitternächtlicher Stunde ist das Lesen von Horoskopen. Der westlichen Astrologie zufolge bin ich im Tierkreiszeichen des Schützen geboren.

Ich bin optimistisch, abenteuerlustig, kontaktfreudig und sonst alles, was ich nicht einmal im schlimmsten Delirium über mich behaupten würde. Wenn man mit abenteuerlustig die Tatsache meint, dass ich nachts auf dem Weg zum Klo nie das Licht einschalte oder dass ich nie auf das Verfallsdatum schaue bevor ich ein Joghurt esse, dann bin ich in der Tat abenteuerlustig und risikobereit, aber wer weiß schon, was die Verfasser solcher Horoskope unter "abenteuerlustig" verstehen. Bin ich Optimist? Ja, ich glaube fest daran, dass die Welt in naher Zukunft nicht wegen eines Nuklearkrieges untergeht, sondern dass sich die Menschheit schon Jahrzehnte davor bis zur Extinktion niedergemetzelt haben wird. Und "kontaktfreudig" bin ich wirklich nur im betrunkenen Zustand, wenn mein Handy und ich sehr viele und sehr unnötige Kommunikationsversuche mit der Außenwelt zu verbuchen haben.

Alles Unsinn ... oder doch nicht?

Genaugenommen bin ich nämlich Schütze mit Aszendent Jungfrau und Mond im Krebs. Die, die sich ernsthaft mit Astrologie beschäftigen, wissen, dass man bei der Erstellung von solchen Persönlichkeitsprofilen nicht nur vom Sonnenzeichen - in meinem Fall Schütze - ausgehen darf.

Ich zitiere hier aus meiner neu gefundenen Erkenntnisquelle:

"Idealismus (Schütze) und Stimmungsabhängigkeit (Mond in Krebs) geben dieser Kombination etwas Zwiespältiges.
Unternehmenslust (Schütze) und Weichheit der Gefühle (Krebsmond) finden sich nicht immer zu gleichgerichteten Kräften. Der Schütze möchte seinen Horizont in aller Welt erweitern, der Mond in Krebs wünscht sich emotionale Sicherheit. Das Feuer des Schützen kann hier Gefühlsausbrüche verursachen."


Übersetzung für den Laien: ich hab einen Klescher.

Solche Sachen stürzen mich in tiefe Glaubenskrisen und lassen Einsicht darin gewähren, welche Psychologie und durchdachte Wortwahl hinter diesen - auf den ersten Blick sehr spezifischen - Profilen steht. Einerseits sind diese Deutungen von widersprüchlicher Natur, andererseits in sich geschlossen, da in meinem Beispiel etwa, die Kombination etwas inherent "Zwiespältiges" hat. Gut gelöst. Hut ab.

Zwiespältig. Was für ein Wort. Aber damit kann ich mich abfinden. Klingt doch viel interessanter als reisefreudig, optimistisch und tierlieb.
24 Apr 2008
Da die ganze Welt Österreich nun als den Ursprung allen Bösens ansieht - Hitler, der Kampusch-Fall und seit neuestem der unfassbare Fall in Amstetten - haben die Medien weltweit und auch lokal wieder viel Fressen für ihr triefendes Sensationsbüffet anzubieten. Die Opfer wurden aus den Fängen eines kranken Individuums befreit und in die Klauen einer gierigen Masse geworfen. Wie kann man anfangen zu verstehen, was die Opfer durchmachen mussten in den letzten Jahren, nein Jahrzehnten? Die Antwort ist: gar nicht. Warum brauchen wir 10-seitige Sonderberichte über die Tathergänge, warum will man 3D-Nachbildungen des Kellerverlieses, was bringt dieses unsinnige Aufgeilen an Details über das Leid anderer Menschen? Natürlich liegt es in der Verantwortung der Medien die Bevölkerung über solche Fälle zu informieren um Bewusstsein zu schaffen und Prävention für weitere mögliche Fälle zu generieren. Doch wann wird dieser Informationsfluss zu einer reißenden Überflutung?

Die Menschheit hat wohl viele Epidemien im Griff, aber ihre eigene Spezies, die täglich mehr Menschen das Leben kostet als sonst ein Virus, haben sie noch nicht als größte Gefahr erkannt.